Liberte Egalite Fraternite
Straßenschlachten in Pariser Vorort - “Das ist wie Bagdad”
Hunderte Jugendliche überwiegend afrikanischer Herkunft lieferten der Pariser Polizei am Wochenende in Clichy-sous- Bois erbitterte Straßenschlachten.
PARIS -
Lichterloh brennende Autos und Müllcontainer erhellen die nächtliche Szene. Steine fliegen und Molotowcocktails, wütend geschleudert von jugendlichen Banden. Die verhaßte nationale Bereitschaftspolizei CRS, in Kampfausrüstung in dem Pariser Vorort angerückt, antwortet mit Gummigeschossen und Tränengas. Sie setzt zur Verfolgung der Krawallmacher an. Stundenlang liefern sich dann junge Leute großteils afrikanischer Herkunft und Hundertschaften der Polizei in Clichy-sous-Bois heftige Straßenkämpfe. “Das ist Krieg hier, das ist wie Bagdad”, beschreibt ein Polizist entsetzt die Tumulte.
Wieder einmal ist urbane Gewalt in Frankreich scheinbar aus dem Nichts heraus explodiert. Der Unfalltod von Zied (17) und Banou (15) am Donnerstag hat zu der Entladung aufgestauter Wut und Frustration unter benachteiligten Jugendlichen “in Problemvierteln” geführt, haben Sozialwissenschaftler rasch eine Erklärung zur Hand. Die unbescholtenen Jungen wähnten sich von der Polizei verfolgt. Sie starben durch Stromschläge eines Transformators, als sie sich dort verstecken wollten. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in dem nordöstlichen Pariser Vorort daraufhin das Gerücht, die Polizei habe sie gejagt - und sei damit verantwortlich für den Tod.
“Die Polizei nimmt keinerlei Rücksicht auf unsere Kinder, wohl weil hier in der Gegend alle schwarz sind oder Araber.” So entrüstet sich eine Haushälterin über die als Schikane empfundene Präsenz der Polizei in den “sensiblen” Vierteln. “Das ist doch Rassismus. Wir verurteilen die Gewalt, verstehen aber, daß es sie gibt.”
Auf einen Lastwagen der CRS wurde ein Schuß aus einer großkalibrigen Waffe abgegeben. Im Visier haben viele in Clichy-sous-Bois aber vor allem Innenminister Nicolas Sarkozy, der nationale Polizei bei ihnen stationieren will und markige Worte liebt: “Wir sind dafür da, dieses Krebsgeschwür (urbaner Gewalt) auszumerzen, wir werden uns dieses Gesindels entledigen.”
“Die jungen Leute haben es in diesen schwierigen Vierteln hundertmal mehr mit einem Polizisten als mit einem Lehrer zu tun”, erläutert die Soziologin und Strafvollzugsexpertin Maryse Esterle-Hedibel den Teufelskreis, der inzwischen auch mittlere französische Städte heimzusuchen droht: hohe Arbeitslosigkeit und kaum Bildung, dazu sozial und ethnisch bedingte Diskriminierung und Gettobildung - “da reicht ein Funken, und das ganze Pulverfaß geht in die Luft”.
Neu ist dies im Frankreich der Millionen Einwanderer vor allem aus nordafrikanischen Staaten nicht. Seit den 80er Jahren entladen sich soziale Spannungen immer wieder, allein in jeder Neujahrsnacht gehen traditionell Hunderte von Polizeifahrzeugen in Flammen auf.
Selbst Frankreichs Mittelschicht leidet mittlerweile bis an die Schmerzgrenze unter sinkender Kaufkraft und steil steigenden Mieten. Und wer sich bereits ausgegrenzt fühlt, empfindet die Demonstration staatlicher Gewalt vielleicht besonders intensiv: “Es war wie eine wirkliche Guerilla-Szene”, erzählt der 24jährige Rachid. Nachdenklich macht es ihn nicht.
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Die Verlierer der Globalisierung wehren sich.Wärend wir noch über Banden von Sozialschmarotzern vor den Arbeitsämter diskutieren.Wird in Frankreich mittlerweile mit Handfesten Argumenten gekämpft.Für mich sind das die ersten Funken im Pullverfass globalisierte Welt.













April 5th, 2008 at 1:02 am
[…] zu fassen, sondern die bekämpfung politischer Gegner ist viel wichtiger, und wird mit solchen Gesetzen Wirkungsvoll […]